Vom Kreisen um sich selbst
Das Kreisen um sich selbst führt oft zu einer Zwangsgedanken, Zwangsvorstellungen und auch Zwangshandlungen.
Da dies oft sehr quälend und bedrückend für einen selbst ist, sollte man diesem entrinnen können.
Man kann sich betrinken oder Medikamente oder Drogen nehmen. Aber das ist ja keine Hilfe, sondern im Gegenteil kommen immer neue Probleme dadurch hinzu.
Ein Ausweg kann nur sein, wenn man seine Gedanken auf anderes richtet, auf etwas über sich selbst hinaus:
Auf den Wald, auf den Sonnenuntergang, auf die Blume, auf das Bild, auf das Haus, auf irgend etwas außer einem selbst.
Dabei ist es wichtig, daß man sich Gedanken darüber macht, sich nicht nur Gefühlen hingibt.
Also nicht nur das Gefühl hat: O, welch schöner Sonnenuntergang! Sondern aktiv mitdenkt: „Welche Farben sind hier verwoben? Welche Bedeutung haben die Wolken? Der Ast hat ja eine seltsame Form? Wie heißt der Berg dahinten?“
Und ganz wichtig ist es vor allem, die Dinge, die man sieht, die man hört, die man riecht und die man fühlt, nicht auf sich zu beziehen.
Also nicht zu sagen: „Mir gefällt diese Farbe. Was hat dieser Vogelgesang mir zu sagen? An was erinnert mich dieses Geräusch?“
Denn wenn man das Äußere auf sich bezieht, dann steckt man schon wieder darinnen, dann haben die Gedanken und damit die Zwangsgedanken schon wieder Zugang zu einem selbst gefunden.
Nein, man muß über die Dinge denken, die Dinge bedenken – aber man muß sie außen lassen.
Man darf nicht sagen: „Wie finde ich einen gnädigen Gott“ (Martin Luther): Denn dann beziehe ich alles auf mich, und entwickle Schuldgefühle (oder evt. auch Überheblichkeit). Sondern: Wie sind Gottes Gesetze? Dann kann ich mich ganz ohne Schuld oder Überhebung in diese Gesetze stellen und versuchen, diese zu finden und zu erfüllen und finde damit inneren und vielleicht sogar auch äußeren Frieden.
9.12.2006 Rainer Truöl