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Vom Wachstum der Bevölkerung

In Deutschland gibt es große Furcht davor, daß die Bevölkerung abnimmt.

Das ist seltsam: Denn gibt es nicht viele, ja die meisten Länder auf dieser Erde, die kleiner sind als Deutschland, in denen weniger Menschen leben?

Die Wirtschaft in Deutschland - wie anscheinend inzwischen fast überall auf der Welt - scheint darauf aufgebaut zu sein und nur zu funktionieren im Sinne des Wollens eines wachsenden Wohlstandes, daß die Bevölkerung und der Verbrauch wachsen.

Die Rentensysteme vor allem sind wie ein Schneeballsystem konstruiert: Nur dadurch, daß die Zahl der Menschen wächst, können die zukünftigen Generationen die Rente der vergangenen Generationen aufbringen. Dazu kommt noch, daß die Rente steigen soll.

Im Bereich der Glücksspiele wurde das Schneeballsystem staatlicherseits verboten; aber im Rentensystem ist das Schneeballsystem die Grundlage.

Dies ist aus zwei Gründen gegen die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland: Zum einen, weil der Aufbau der Rentenversicherung verstößt gegen ein Gesetz, das solch eine Struktur in anderen Bereichen verbietet. Und zum anderen, weil die Verpflichtung aus der Gegenwart Menschen der Zukunft aufgebürdet wird.

Das ist schädlich, geradezu zerstörerisch für das Wohl des Staates. (Es konnte nur gut gehen, weil die Ressourcen lange Jahre aus anderen Ländern herausgepreßt wurden.)

Zum anderen bewirkt ein solches System des Schneeballs, daß der Glaube, ja der Aberglaube mit all den verhängnisvollen Folgen produziert wird, daß nur das stetige Wachstum zum Wohlstand, ja zum Überleben des Staates führt.

Wie gesagt, hunderte anderer Länder auf der Welt beweisen es jeden Tag, daß dies eine Irrmeinung ist.

Es bewirkt auch, daß man meint, nur der Zuzug von Menschen außerhalb von Deutschland nach Deutland  hinein könne die Probleme lösen. Gerade das Gegenteil ist der Fall:
Menschen, die von außen kommen, bringen durch ihre Fremdheit neue Probleme in das Land hinein. (Dasselbe wäre der Fall, wenn Deutsche in großer Zahl in ein anderes Land auswandern würden und sich dort nicht assimilieren würden.)

Deutschland war früher weniger dicht besiedelt als heute - und es war gut so. Warum sollte dies in Zukunft nicht gelten?

Die Frage der Alterung und Überalterung ist doch eine ganz andere Frage. Es ist auch eine Frage nach Sinn und Unsinn. auch diese Frage kann nur im Lande selbst gelöst werden - und auch nur jeweils in der selben Zeitspanne.

Auch hier sind ja völlig falsche Weichen gestellt: Die Empfängnis eines ersten Kindes is heute in Deutschland im Osten bei ca. 26 Jahren, im Westen bei ca. 30 Jahren. D.h., die Frauen und Männer werden viel zu spät Eltern; sie werden auch bald vom Elternsein überfordert, wenn ein zweites oder gar drittes Kind folgen.

Nicht die sogenannte Karriere sollte ein Lebensziel sein, sondern es sollte das Ziel sein, ein gesundes soziales Umfeld zu haben und daran mitzuwirken, aktiv das Leben mitzugestalten und einen dazu geeigneten Arbeitsplatz zu haben, eine Sinnerfüllung durch das Leben selbst, nicht durch die Karriere oder durch das Vergnügen.

Denn das alles ist sehr begrenzt: Man glaubt nicht, wieviele Kinder schon in jüngsten Jahren krank sind und sterben; man glaubt nicht, wieviele Menschen in jungen Jahren krank werden, meinen Unfall haben oder auch Suizid begehen und damit sterben. Hat man denn auch nur eine Sekunde seines Lebens selbst in der Hand?

Welches Lebensziel gilt dann?

18.11.2006   Rainer Truöl