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Vom Nebeneinander

Alles in der Natur besteht nebeneinander – es besteht nebeneinander, ohne Krieg, ohne Kampf.

Es gibt zwar die Frage der Verdrängung, des Vorherrschens, des Größer-Werdens gegenüber anderen – aber es ist eine andere Ebene als das Problem, Krieg, Verdrängung, Größersein als andere zwischen den Menschen.

 

Auch die Dinge, die die Menschen geschaffen haben, passen sich der Umwelt an – diese Dinge sind in der Umwelt; sie mögen den Menschen stören, aber für die Natur sind sie einfach.

Abgesehen davon, dass diese Dinge evt. wegen ihrer Temperatur oder wegen irgendeiner chemischen Reaktion einen Einfluß auf die Umgegend ausüben, sind sie einfach nebeneinander – z.B. die Dinge auf dem Schreibtisch, in der Küche, die Häuser an der Straße - .

Was ist es so etwas besonderes mit dem Menschen, dass er nicht einfach neben all dem anderen existieren, leben kann, in Ruhe und Frieden, zum Wohlergehen aller?

Was ist es Besonderes, dass der Mensch im Kampf leben muß, dass er andere beherrschen muß, dass er größer sein muß als andere?

Das ist vielleicht die wichtigste Aufgabe des Menschen heute, dass er zufrieden ist mit sich, mit seinem Platz, dass er nicht mehr will, schon gar nicht mehr will auf Kosten von anderen, auch nicht auf Kosten der Schädigung der Umwelt.

Das Nebeneinander – aber nicht in Gleichgültigkeit, sondern im Verständnis, in der Achtung, in der Liebe zum anderen; das ist vielleicht der einzige Unterschied zur Schöpfung sonst: daß der Mensch nicht nur in Selbstverständlichkeit, sondern in Beziehung zum anderen lebt.

Dann gäbe es viel Einlenken, viel Einklang:

Keine Preissteigerungen, kein Profitsteigern und auch keine Lohnerhöhungen;

keine Raserei auf den Straßen, sondern Rücksichtnahme;

kein unnötiges Produzieren von Gegenständen, die dann auf Halde liegen;

kein Ausgrenzen anderer Menschen, Religionen und Völker;

kein Wegnehmen von anderen und von der Natur.

 

Das ist auch Gewaltfreiheit – das ist Religion.

3.4.2004    Rainer Truöl