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Vom Wesen und der Aufgabe des Menschen:

Der Mensch empfindet und denkt.

Das Denken ohne Empfindung ist zugleich gut und nicht gut; es hat ein Ende - irgendwann wird den Menschen vielleicht auch bewußt, daß sich insofern trotz allem Fortschritt und aller Lebenserleichterung nichts daran geändert hat, daß der Mensch krank wird, einsam wird, daß er stirbt.

Die Empfindung ohne Denken ist wie ein schwankendes Rohr - hin- und hergerissen, von sich ausgehend, nicht lenkend, sondern leidend.

Verbunden ist beides durch das Stillesein, die Ruhe.

Das Wesen des Menschen: durch die Welt gehen, die Welt, die Geschöpfe und Mitmenschen wahrnehmen - und alles dabei zu segnen.

Zu segnen - das bedeutet: Empfinden und Stillesein, dann Denken und Stillesein, und schließlich die Empfindung mit Denken zu durchdringen und Stillesein.

Durch das Stillesein ist die Empfindung und das Denken nicht auf einen selbst zuerst bezogen, sondern auf das Betrachtete.

1.9.2000 Rainer Truöl