Vom Leben des einzelnen
Jeder einzelne Teil hat Leben in sich:
Der einzelne Teil im menschlichen Körper ist z.B. der Arm, dann der Unterarm, dann der Finger, dann die Fingerkuppe, dann die Ader darin, dann das Blutkörperchen darin usw.
Jeder einzelne Teil hat Leben in sich, eigenes Leben.
Nur dann, wenn jeder einzelne Teil die Möglichkeit hat, sich im Ganzen gemäß seiner Natur frei zu entfalten, kann das größere Ganze sich frei und gesund entfalten.
Jeder einzelne Teil hat Lebenskraft in sich, eigenes Leben, eigene Freiheit. Wird diese eingeschränkt, dann entsteht Krankheit.
Der größere Organismus muß Rücksicht nehmen auf seine einzelnen Teile.
Ohne diese Rücksicht entsteht Verkrampfung.
Diese Akzeptanz des eigenen Lebens der einzelnen Teile - auch der einzelnen Teile in einem selbst - führt zu Achtsamkeit, Ehrfurcht; man hört in sich, nimmt Regungen wahr, stellt sich darauf ein.
Was für den menschlichen Körper gilt, in dem neben diesen anscheinend eigenen Zellen auch völlig fremde Zellen und Wesen sich bewegen - Bakterien, Würmer, Pilze usw. -
das gilt auch für größere Zusammenhänge: In einer Familie hat jedes Familienmitglied Anrecht auf eigenes Leben; in einem Dorf, in einer Stadt, in einem Staatsgebilde gilt das für die je einzelnen Teile.
Sind diese in Freiheit der Entfaltung - und diese Freiheit muß immer das größere Gebilde, in dem der einzelne lebt, als höheres Ziel in sich tragen - dann herrscht Harmonie.
Der Blick auf das Eigene des Einzelnen und der Rückblick auf den Einzelnen in dem Größeren - das ist durch Erziehung möglich, das führt zu innerer und äußerer Harmonie.
15.12.2000 Rainer Truöl